Facebook Datenskandal 2018

Die Datenkrake und der Facebook Skandal

Aktuell wird Facebook von den Medien über dem offenen Feuer geröstet. Es geht um Datenmissbrauch und die total verunglückte Kommunikation zum Thema. Es geht um den Vorwurf der Manipulation von Wahlen (Trump) und Referenden (Brexit). Es geht um den Skandal des Jahres.

Doch was steckt eigentlich dahinter? Leider ist es bei weitem nicht so einfach, dass es in eine Drei-Worte-Headline der Boulevardpressepasst. Wie so oft bei Themen, die im technologischen Umfeld skandalisiert werden.

Zunächst steht im Raume, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica, wohl getrieben durch einen Professor, der einen „kleinen Psycho-Test“ als Facebook-App umgesetzt hat, im ganz großen Stil Daten akquiriert und für das sogenannte „Targeting“ im Zusammenhang mit der Kommunikation von Trump und Brexit-Befürwortern eingesetzt haben soll.

Es wird von Missbrauchgesprochen, doch dabei wird vielfach übersehen, dass auch das nun so verteufelte Facebook vor der Weitergabe von Daten an Diensteanbieter klar fragt, ob der Nutzer damit einverstanden ist. Dabei wird auch immer genannt, um welche Daten es sich handelt. Ohne Zustimmung des Nutzers läuft da nichts. Jeder Facebook-Nutzer hat also die Möglichkeit „Nein“ zu sagen.

Klar, macht (so gut wie) keiner, denn er möchte teilnehmen können. Aber dann mit der großen Keule auf die beiden beteiligten Firmen, Facebook und Cambridge Analytica, einzuschlagen erscheint schon etwas vermessen. Auf der einen Seite soll jeder Mensch als mündiges Wesen behandelt werden, anderseits ist die öffentliche Empörung groß, wenn dann doch mal was, vor allem wegen der eigenen Leichtfertigkeit, in die Hose geht.

Weiterhin wird öffentlich beklagt, was vor allem Cambridge Analytica samt einer kanadischen Tochter mit den Daten gemacht hatoder haben soll. Dem Grunde nach ist es Targeting – und das kennen wir digital Werbetreibende sowohl von Google, als auch von – aha! – Facebook. Man kann gerade bei Facebook ganz besonders genau steuern, welche Kriterien die Werbezielgruppe von Facebook Ads erfüllen soll. Für den Werbetreibenden ist das ein vermeintlicher Segen, setzt er doch die Spendings besonders „spitz“ ein.

Allerdings bestehen durchaus Zweifel, ob das tatsächlich gut funktioniert, denn es gibt für den Werbetreibenden keinen Mechanismus, um das Targeting bei Facebook (und Google, sowie massenweise weiterer Online Advertiser) zu überprüfen, wie beispielsweise 2016 von Procter & Gamble öffentlich moniert. Da kann man sich schon die berechtigte Frage stellen: „Kommen die positiven Effekte, auf das eigene Produkt, die man seinen Facebook oder Google Ads zuschreibt, eigentlich wirklich aus der „spitzen“ Zielgruppe oder resultiert dies nur daraus, dass man überhaupt präsent ist und allgemeine Awareness erzeugt?“

Hier hilft es zu beobachten, was einem selbst bei Facebook so alles als Werbung angeboten wird. Die Übereinstimmung mit dem, was mich als Nutzer ausmacht, ist nicht wirklich groß und die Streuung z. T. immens. Als Nutzer ist man von einer nordeuropäischen Frau über den Comic lesenden Nerd bis zum Haustierbesitzer alles; das kann, muss aber im Einzelfall nicht passen; so zumindest ist unsere Erfahrung. Bei Google bekommt man auch in erster Linie ähnliche Produkte zu kürzlich getätigten Online-Käufen angeboten, oder?

Wirfinden: Man darf durchaus die Frage stellen, ob das Targeting bei Facebook und Google so gut ist, wie es verkauft wird. Uns erscheint das zielgenaue Targeting vielmehr als Wunschdenken der Werbeindustrie: Das hört sich gut anhört, ist in aller Munde ist und was von Facebook und Co. kommt, muss gut sein; und lässt sich auch gut verkaufen und zwar und er Regel ohne große Rückfragen. Wir gehören zugegeben zu den Skeptikern und finden: Vertrauen ist an dieser Stelle gut, Kontrolle und Transparenz wären uns allerdings lieber, da sind wir ganz bei Marc Pritchard von Procter & Gamble.

Hier schließt sich der Kreis. Man darf durchaus berechtigte Zweifel daran hegen, dass der aktuelle „Datenmissbrauch“ bei Facebook ursächliche Auswirkungen auf die Trump-Wahl und das Brexit-Referendum hatten. Wenn ein Werkzeug wie das Targeting so weit streut, kann man kaum von Effizienz bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung in den Sozialen Medien sprechen.

Was allerdings funktioniert, ist die Filterblase: Es ist keine neue Erkenntnis, dass Facebook das, was im Newsstream den Nutzern gezeigt wird, sehr stark an den bisherigen Vorlieben orientiert. Wer asiatisches Essen liebt und viele Beiträge teilt oder „liked“, wird auch viel asiatisches Essen zu sehen bekommen. So baut sich jeder Nutzer eine Blase auf, in der er mit z. B. griechischem Essen nicht weiter belästigt wird. Das funktioniert auch bei politischen Themen.

Da aber jeder als Multiplikator fungiert und Facebook seit gar nicht so langer Zeit die Relevanz im Newsstream stärker aus geteilten Inhalte seiner eigenen Facebook-Freunde ableitet – sehr zum Leidwesen der Fanpages von Unternehmen – metastasiert die Filterblase und setzt sich über die Streams der eigenen Facebook-Freunde fort.

Das ist es vermutlich eher, was bei der Trump-Wahl passiert sein könnte: Unstrittig haben russische Firmen über eigene Posts massiv Stimmung zugunsten von Trump gemacht. Über die metastasierenden Filterblasen hat sich vermutlich aus diesen Posts ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die Stimmungslage vieler Nutzer ergeben.

Skandalös an der aktuellen Situation ist also aus unserer subjektiven Sicht weniger das, was Facebook, Cambridge Data und Co. gemacht haben. Dazu hatten sie die Erlaubnis der Nutzer, auch wenn es natürlich schon ein Geschmäckle hat. Illegal war es aber nach aktueller Lage eben nicht.

Besorgniserregend ist allerdings die voranschreitende Radikalisierung in der Gesellschaft, die mit immer weniger Fragen und immer mehr „Alarmismus“ vieles ungefiltert glaubt, was in Sozialen Netzwerken passiert, und sich selbst so in der eigenen Handlungsweise beeinflussen lässt.

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